Woodburning

27 05 2010

Thunderstorms – Mittwochmorgen faengt es an zu rumpeln und zu donnern, was den ganzen Tag ueber anhaelt. Wenn es hier rumpelt, dann wortwoertlich so, dass das Haus wackelt ;o Blitze ueberall und ohrenbetaubender Donner! Was kann ich also im Haus oder in der Garage anstellen? Regis und Noreen zucken ratlos mit den Schultern … Der Nachname „Daigle“ stammt aus dem franzoesischen und bedeutet Adler – an der bald frisch gestrichenen Garagenfront ist viel Platz fuer ein kreatives Projekt … In der Garage finde ich einen „woodburner“, gleich daneben liegt ein Stapel Zedernholz und schon habe ich das fertige Bild vor Augen.

Ich werde hibbelig, google rasch Adlerbilder, drucke mir einen aus und verziehe mich in die Garage. „Q92 Solid Rock Timmins“ ist ein klasse Radiosender, AC/DC, Chili Peppers, Stones, 3 Doors Down, Nirvana, … Solid Rock den ganzen Tag – ich drehe die Lautstaerke hoch um Regen und Donner zu uebertoenen und fange an Holz abzuschleifen. Da ich in meinen 32 Jahren schon viel Holz geschliffen habe (unter anderem ein ganzes Klavier) weiss ich was zu tun ist und schleife solange bis alles „Fatzeglatt“ ist. Dann stecke ich den Woodburner ein und teste auf kleinen Reststuecken wie das Ding funktioniert …

woodburner - Vorsicht heiss!

woodburner - Vorsicht heiss!

Clement schlawanzt gelangweilt in die Garage und ich vertreibe ihn, indem ich ihm mit einem „branding“ passend zu seinem Tattoo drohe ;o Schliesslich kann ich mich in aller Ruhe (und Rock im Hintergrund) meinen Adler widmen. Ich „brenne“ den ganzen Tag Holz – auch den verregneten Tag darauf und zu dem Adler kommt noch ein Namensschild hinzu. Jetzt fehlen nur noch drei Schichten Klarlack und dann kommt beides an die Garagenfront, sobald wir diese fertig gestrichen haben ;o

"woodburnt" Adler

"woodburnt" Adler

"woodburnt" Adler - closeup

"woodburnt" Adler - closeup

Nadine 05/2010

Nadine 05/2010

Namensschild - mit der ersten Schicht Klarlack

Namensschild - mit der ersten Schicht Klarlack



Schwarzbaer! Schwarzbaer!

26 05 2010
Blackbears

Blackbears

„Viel zu viele Baeren dieses Jahr … sie sind ueberall …“, sagen die Einheimischen. Ich – als Tourist – habe mich die ganze Zeit ueber gefragt wo denn die vielen Bearen alle sind? Doch heute, nach mehreren Suchaktionen, habe ich endlich 2 Schwarzbaeren vor die Linse bekommen! Auf dem DUMP! Die Bilder sind nicht gerade scharf, da es schon daemmerte und ich mit dem Teleobjektiv fotografiert habe was bei so wenig Licht nur sehr schwierig aus der Hand ruhig zu halten ist. Eventuell habe ich auch leicht gezittert, denn die Baeren waren nicht wirklich weit weg und der Van stand um die Ecke geparkt … und scheisse: Bearen sind riesig!
(Ja, ja Mama … ich weiss … ich hatte versprochen mich von den Baeren fernzuhalten – doch Regis und Clement haben mir den Ruecken freigehalten waehrend Noreen mit dem Fluchtwagen gewartet hat – also kein Grund zur Besorgnis ;o)

Blackbears

Blackbears



Grillwetter?

24 05 2010

Es herrschen Rekordtemperaturen hier in North Ontario, die im Mai zuletzt vor 60 Jahren erreicht wurden. Um 13 Uhr zeigt das Thermometer schon 33 Grad Celcius im Schatten an – gefuehlte Temperatur 45 Grad. Ich bin mittlerweile so braun gebrannt, wie ich es schon seit Jahren nicht mehr war, ich „verbrenne“ nicht einmal mehr. Man haelt es draussen kaum aus und Noreen kommt mit dem Eistee machen kaum hinterher … jede noch so kleine Briese wird genossen.

Eigentlich ist es zu heiss um zu grillen – dennoch kommen Pie Penny und Big Bob zum Grillen vorbei. Immerhin ist May Run Weekend und BBQ ist Pflicht. Start 14 Uhr – Abendessem 18 Uhr. Das Fleisch hat eben auch „kanadische Ausmasse“ und braucht etwas laenger. Ich mache zum 2ten Mal seit ich in Canada bin deutschen Kartoffelsalat, obwohl ich Kartoffelsalat nicht einmal mag, doch ich weiss wie er „schmecken soll“ und er gelingt ganz gut. Zum ersten Mal erwische ich festkochende amerikanische Kartoffeln! Dazu gibt es noch Veggie-Spiesse, die hier Shish Kabob genannt werden. Pie Pennys Hund Brandy spielt nebenbei mit ihrem Lieblingsball – einer  10 Pound Bowlingkugel. Ich ziehe die in Flip-Flops steckenden Zehen ein …

Montag 13 Uhr - 33 Grad im Schatten

Montag 13 Uhr - 33 Grad im Schatten

Kanadier nennen es Shish Kabob

Kanadier nennen es Shish Kabob

Brandy with Bowlingball

Brandy with Bowlingball



May Run Weekend

23 05 2010

Queen Victoria hat Geburtstag = Feiertag = langes Wochenende! Was man auf den Strassen sieht sind Pickups und Trailer, deren Ladeflaechen mit Dirtbikes, Quads, Kanus und Angelausruestung vollgestopft sind. Alle „rennen“ um am langen Wochenende zu campen, zu angeln und um zu feiern, deshalb nennt man es das „May Run Weekend“.

Ich habe schon ueber 1.100 km Kanada-Strecke hinter mir, doch ich bin seit mehr als 2 Monaten nicht mehr selbst gefahren. Um dies zu aendern bekomme ich eine kurze Fahrstunde in Noreens Chevrolet Van – ab auf den Highway 101! Es macht Spass – gleichzeitig ist es auch ein bisschen deprimierend bei kerzengerader Strasse und Platz ohne Ende mit maximal 100 Stundenkilometern dahin zu zockeln … Doch wie auch immer: Ich fahre anstaendig und geniese es ;o

Am fruehen Abend brechen die Jungs und ich mit Big Bob zum Angeln auf. Big Bob faehrt vorraus – ich folge ihm im Van. Der „Black River“ ist wunderschoen, ich warte auf Biber und Elche, doch ich sehe nur Bisamratten (Kanadische Ausmasse) und Kuehe. Big Bobs Schwimmer hat die Groesse einer Schwimmboje, ausgelegt auf einen 5 Meter Fisch, doch die Jungs fangen nur einen „Miniaturwels“ ;o Auf dem Heimweg treffe ich auf eine Strassensperre, in From einer weiteren Kuh … Zurueck auf der Farm halten wieder „Nachbarn“ an, Al und Amanda, laden Bier von der Pritsche und bleiben auf ein Schwaetzchen …



TOO HOT

22 05 2010
10 Uhr morgens

10 Uhr morgens

26 Grad um 11 Uhr morgens … „Viel zu warm fuer die Jahreszeit …“, sagen die Einheimischen hier. Mal wieder – egal wohin ich gehe: Es ist viel zu warm. Ich finde es natuerlich toll, wobei sich 26 Grad bei absoluter Windstille wie 40 Grad anfuehlen – und die Temperatur steigt im Laufe des Mittags noch. Noreen zeigt mir Bilder von vor genau einem Jahr – da lag noch Schnee …

Mein „Garten strukturieren Projekt“ ist fertig  – unglaublich, was man mit alten Holzschwarten und ein paar Stecken aus einem grossen Dreckhaufen machen kann. Am Abend wird der Grill angeschmissen und es wird gegrillt – BBQ time. Was ist das beste Abwermittel gegen Moskitos und Black Flies? Man setzt einfach Nadine in den Stuhl neben sich und hat dann Ruhe – denn alles was beissen kann wird mit Sicherheit Nadine beissen …

Ab in den Garten ...

Ab in den Garten ...

Garten

Garten

Garten

Garten

Garten

Garten



Pie Penny und Big Bob

19 05 2010

Wieder wird ausgeschlafen. Am Mittag gehen Noreen und ich erst einmal einkaufen – wir treffen „Pie Penny“ (Kuchen Penny) und Noreen bestellt mitten auf der Strasse 3 Kuchen. Als wir zur Farm zurueck kommen ist einer der Nachbarn da, alle nennen ihn nur „Big Bob“ – ohne Witz, keiner nennt ihn nur Bob oder irgendwie anders …  Wie auch immer, „Big Bob“ erzaehlt uns von den guten alten Zeiten und warnt uns vor den Baeren, da die gerade Junge haben und zusaetzlich nach ihrem Winterschlaf sehr hungrig sind … Gleich um die Ecke ist angeblich eine Schwarzbaerenmama mit 4 (sehr ungewohnlich!) Jungen unterwegs.

Am Nachmittag wird wieder im Garten gearbeitet – da es mit 29 Grad noch heisser ist als am Vortag machen wir viele Pausen ;o Am Abend fahren „die Franzosen“ mit dem Fahrrad in die „Stadt“ und kaufen Whiskey. Den trinken wir dann und spielen Scrabble … irgendwann haben Regis, Nikkola und ich ploetzlich je eine Gitarre in der Hand – Jamsession ;o Danach halten Nikkola und ich noch Ausschau nach Baeren, sehen jedoch keinen …



THE DUMP

18 05 2010

Ausschlafen – Ye Haa! Keine Sonderbehandlung, sondern hier schlafen alle aus ;o Noreen und Regis sind sozusagen in Halbrente und arbeiten nur wenn sie Lust haben. Also fangen wir um 11 Uhr morgens mal im Garten an – um 12:30 ist es mit 26 Grad (die sich wie 40 anfuehlen) zu heiss und wir setzen uns in den Schatten der Garage. Das erste Bier wird geoffnet … eine halbe Stunde spaeter das zweite Bier … danach steige ich auf sehr leckeren selbstgemachten Eistee um. Noreen beschliesst, dass heute nicht mehr gearbeitet wird …  wir bleiben also ganz entspannt im Schatten der Garage sitzen …
Nach dem Abendessen (lecker) gehen wir auf den „DUMP“ (Muellhalde) – hier eine grosse Sache, da es keine Muellabfuhr gibt. Doch es ist mehr ein Ort um Neuigkeiten zu erfahren und um zu tratschen, oft verlassen die Leute den Dump mit mehr Zeug auf dem Truck als sie gebracht haben. Ich will unbedingt mit, weil man dort so gut wie immer Schwarzbaeren sieht … leider nur „so gut wie immer“ – ich sehe keinen Baer und der Typ vom Dump erklaert mir, dass ich ein grosses Schwarzbaerenmaennchen um gute 3 Minuten verpasst habe …



Val Gagne

17 05 2010

So schnell kann ich meinen Blog aktuallisieren – High Speed WiFi auf dem ganzen Grundstueck ;o) Und ich bin tiefer in der Wildnis gelandet, als ich er erwartet hatte. Noreen und Regis Daigle sind super nett und es scheint hier ziemlich locker zuzugehen. Sie haben die kleine Farm erst vor gut einem Jahr gekauft und es jede Menge zu tun, doch alles entspannt und erst nach dem Ausschlafen. Neben mir sind noch zwei weitere wwoofer da, beides Jungs und beide aus Frankreich. Sie wohnen in dem Trailer in den ich eigentlich ziehen wollte … Doch mein Zimmer im Haus ist auch schoen, sauber, hell, Dachgeschoss. Es wird viel geflucht und viel gelacht – warum kann ich mir die Schimpfwoerter immer am besten merken?

Val Gagne (circa 5 Minuten entfernt) hat ganze drei Strassenzuege, einen kleinen Laden in dem von Lebensmittel ueber Werkzeug bis hin zur Angellinzenz alles verkauft wird, ein Motel und ein Ford-Haendler (Warum ausgerechnet Ford? Warum nicht Chevy?). Zwei Autos direkt hintereinander fahrend sind hier „dichter Verkehr“ und jeder winkt jedem. Die Landschaft ist wunderschoen, es gibt Schwarzbaeren, Biber, Waschbaeren, Woelfe und Kojoten – jedoch meinstens im Wald versteckt.

Den Tag ueber war es super heiss (25 Grad) und bisher habe ich noch keine Moskitos in Taubengroesse gesehen. Ich habe bisher jedoch nur 2 Bilder gemacht, da es auf Kommando angefangen hat zu regnen als ich am fruehen Abend mit der Kamera das Haus verlassen habe …

Old Truck

Old Truck

View

View



1:05 am / North Bay / Ontario

17 05 2010

Ich bin Sonntag 16:55 von Collingwood aus gestartet, zuerst Richtung Barrie, wo ich kurz vor 19 Uhr ankam. Laut meinem Plan sollte mein Bus nach North Bay um 1:00 am Morgen gehen. Also habe ich mich darauf vorbereitet 6 Stunden auf dem Busbahnhof totzuschlagen. Keine Schliessfaecher, sprich ich kann fast nirgendwo hin, da ich mit 2 Rucksaecken beinahe manoevrierunfaehig bin. Kein free Wi-Fi Sport zu finden. Selbst die Toilette wird zur Herausforderung, da ich den grossen Rucksack nicht mit in die Kabine nehmen kann und seit meinem Kameraverlust bin ich paranoid. Um 20:40 frage ich aus Langeweile den Mann am Schalter von welcher Plattform mein ein Uhr nachts Bus starten wird. Er sagt mir, dass der Busbahnhof in Barrie gegen 22:00 schliessen wird und ich dann 3 Stunden draussen warten muss. Oder ich nehme den 20:45 Bus nach North Bay und warte dort drinnen im nicht abgeschlossenen Busbahnhof bis 5 Uhr morgens. Und so sitze ich jetzt um kurz nach ein Uhr morgens in North Bay, warte, hoere koRn, schreibe, lese und versuche wach zu bleiben. Bei Nacht im dunkeln Bus zu fahren ist nicht gerade erfrischend. Ich sitze direkt vor einem Coffe Shop, doch der oeffnet erst um 5:00 – haha – sehr witzig. Wieder kein free Wi-Fi Spot – ich bin ja mal gespannt, wann ich meinen Blog aktuallisieren kann und wie tief in der Wildnis ich landen werde … ;o)



Vom Pferde-Schreier zum Pferde-Fluesterer

16 05 2010

Der letzte Tag auf Pretty River Valley … Ich war „off“ und hatte somit Zeit in Ruhe zu packen. Entweder ich habe etwas vergessen oder ich werde beim Packen besser, denn ploetzlich wurden aus 3 Taschen wieder 2 … keine Ahnung warum. Linda war unterwegs und ich hatte eigentlich erst nachmittags mit ihr gerechnet, doch sie kam extra frueher, da sie noch etwas mit mir vor hatte. „Wenn du auf einem Pferd reitest fresse ich einen Besen …“, hat Sandra H. mir vor gut 2 Wochen per eMail geschrieben. Ich habe zurueck geschrieben: „Bevor ich auf ein Pferd steige, fresse ich den Besen freiwillig …“ Doch heute kam alles ganz anders …

Linda hat ihre ganz eigene Art mit den Pferden umzugehen und hier darf nur der auf ein Pferd steigen, der sieben Spiele mit ihnen spielen kann. Also steige ich (Hosentaschen voller Leckerli) mit einem sogenannten Carrotstick (ein langer orangefarbener Stecken als Verlaengerung meiner Hand) und Nanuk (Chef der Herde) in den Ring der Reit-Arena. Nanuk kennt mich vom Fuettern, ausserdem ist er trainiert und kennt die Spiele. Doch laut Linda spielt er nicht mit jedem und schon garnicht alle sieben Spiele, die sich im Schwierigkeitsgrad steigern.

Spiel Nummer eins: The Friendly Game – sprich ich bin freundlich und teste, ob Nanuk sich ueberall von mir anfassen laesst und dabei entspannt bleibt. Es funktioniert (da ich Nanuk heimlich mit Leckerli vollstopfe). Danach kommt das Porkypine Game – das Stachelschwein Spiel. Durch bloses Handauflegen, besser gesagt zwei Finger, soll ich das Tier in eine bestimmte Richtung dirigieren. Und es funktioniert. Ich beruehre kaum das Fell und schon geht Nanuk in die gewuenscht Richtung, er geht selbst rueckwearts, was Pferde laut Linda hassen da es ihrem natuerlichen Instinkt widerstrebt. Spiel Nummer 3, jetzt wird es interessant, The Driving Game. Ich soll das Pferd wieder in bestimmte Richtungen dirigieren, 4 Schritte entfernt ihm gegenueberstehend und ohne ihn anzufassen … Linda erklaert mir alles worauf ich achten muss, Koerpersprache und das richtige Timing sind das A und O. Ich konnte es kaum glauben, ich brauchte mich nur zur Seite lehnen und Nanuks Hintern mit der richtigen Koerpersprache anzustarren, dann hat er sich auch schon in die entsprechende Richtung gedreht … Ich musste keinen Ton sagen, einfach nur seinen Hintern anstarren oder die Schultern straffen, schon drehte er sich zur Seite oder ging rueckwaerts. Spiel Nummer 4: JoJo – wieder stehe ich Nanuk gegenueber. Durch Schultern straffen oder mich nach vorne lehnen hole ich ihn zu mir her oder schicke ihn von mir weg – wieder beinahe wortlos, lediglich Lob wird laut ausgesprochen. „Good Boy …“ Ich war beinahe sprachlos … Spiel Nummer 5: Durch einen blossen Fingerzeig und Koerpersprache soll ich Nanuk in der von mir gewuenschten Richtung an der Longe im Kreis laufen lassen – solang bis ich ihn zu mir in die Kreismitte einlade. Rechtsherum funktioniert einwandfrei – links herum wird es Nanuk dann zu bloed und er kommt zu mir ohne dass ich ihn in die Mitte rufe, da er weiss, dass meine Taschen voller Leckerli sind. Doch schliesslich funktioniert es. Spiel Nummer 6: Nanuk steht direkt der Wand gegenueber und ich bringe ihn durch Koerpersprache dazu mit Vorder und Hinterbeinen ueberkreutzt an der Wand entlang zu gehen. Spiel Nummer 7: Nanuk muss durch eine sehr schmale Luecke zwischen mir und der Wand hindurch gehen- er zoegert kurz, geht jedoch gleich darauf entspannt hindurch. Zum Abschluss hat Linda ploetzlich einen grossen Gymnastikball in der Hand. Sie platziert ihn auf der anderen Seite der Arena. Ich soll Nanuk dazu bringen, dass er quer durch die Arena geht und den Ball beruehrt. Ich darf weder Nanuk noch den Ball anfassen. Jetzt kommen fast alle Spiele zum Einsatz. Ich starre Nanuks Hintern an, damit er sich dreht, ich hole ihn wie ein Jojo zu mir und wir gehen zusammen durch die Arena, ohne dass ich ihn anfasse … Gehe ich langsam, geht er langsam, gehe ich schneller, wird auch Nanuk schneller. Neugierig sieht er immer in die Richtung in die ich sehe, Richtung Ball. Dort angekommen muss ich nur noch „touch“ sagen und schon kickt Nanuk den Ball weg! Ye Haa!

Drei Minuten speater sitze ich auf Nanuks Ruecken – OHNE SATTEL! BAREBACK!!!! Linda gibt wieder Anweisungen und es ist einfach unglaublich. Ich muss nur die Schultern straffen und mit allen 4 Backen grinsen, schon geht Nanuk los. Er laeuft immer automatisch in die Richtung in die ich schaue, die Zuegel sind nur zum festhalten da, kein Gebiss, kein Lederhalfter, nur geknuepfte Kordeln. Um anzuhalten muss ich nur tief ausatmen und die Schultern fallen lassen, schon bleibt Nanuk stehen. Ich reite bareback durch die Arena, wenn auch nur im Schritt-Tempo …

Was fuer eine Erfahrung … haette mir vor 3 Wochen jemand gesagt, dass ich ein Pferd dazu bringen kann sich zu drehen, indem ich seinen Hintern anstarre, dann haette ich ihm den Vogel gezeigt. Aus dem Pferde-Schreier („Back Off“ – „ForFuckSake go away“) wurde heute ein Pferde-Fluesterer („Good Boy“). Ich war die ganze Zeit ueber total entspannt und selbst auf dem blanken Ruecken fuehlte ich mich pudelwohl. Nanuk und Linda waren beide einfach nur der Hammer – ich werde jetzt definitiv weniger Angst vor Pferden haben und habe heute sehr viel gelernt. Laut Linda machte ich einen guten Job („pretty damn good“) und selbst meine Haltung auf dem Pferd hat sie ueberrascht, denn ich sass fuer einen Anfaenger richtig schoen aufrecht. (What? Ich laufe nicht einmal aufrecht ….)

Wenn ich im Laufe meines Kanada-Jahres noch einmal nach Pretty River zurueck komme, was ich definitiv vor habe, dann gehen wir ausreiten … meine 3 Wochen hier waren unbeschreiblich schoen und wieder faellt es mir schwer „Auf Wiedersehen“ zu sagen …