Mein Wecker klingelte um 4:30 Uhr, um 6 Uhr fuhr ich los. Google hat mir gesagt es dauert 2 Stunden bis an den Lake Cowichan, wo das Brautpaar wohnt, doch es dauerte nur 1 1/4 Stunden und ich war 45 Minuten zu frueh da. Doch wie das bei einer Hochzeit so ist: Es ist immer jemand zu spaet oder etwas fehlt oder wurde vergessen – Stress ist vorprogrammiert und ich war ja eh schon seit Tagen angespannt und wollte es nur noch hinter mich bringen …
Die Hochzeit an sich war gelpant wie im Film – oder so hab ich mir das zumindest vorgestellt. Brautpaar, 5 Brautjungfern, 5 Baeutigammaenner (? auf English Usher) – was man hier alles zusammen die „wedding party“ nennt. Dann gab es noch 160 geladene Gaeste, Trauung am Meer, Rueckfahrt mit der Stretch-Limo und abschliessend Abendessen und Feier in weissen Zelten im eigenen Garten.
Zuerst ging es los in zum Friseur, wo Braut + die 5 Brautjungfern zurecht gemacht wurden (die Braut war zu spaet dran und fuhr wie ein Henker – ich hatte Todesangst auf dem Ruecksitz ;)). Von dort aus wurde ich ins Maenner-Haus gefahren, wo die Jungs sich angezogen haben. Dann ging es zurueck ins Maedchen-Haus, wo die Maedels sich angezogen haben.Von dort aus ging es mit Oldtimern an den Strand, dort fand die Trauung statt. Danach wurden schnell Bilder gemacht, damit die „wedding party“ endlich ihre Zigarren anzuenden und den Champagner koepfen konnten. Ich musste alle „typischen Hochzeitsbiler“ in gerade einmal 30 Minuten durchziehen. Da vor allem die Jungs schon seit frueh morgens am trinken waren, war es nicht gerade einfach sie aufzureihen und dann auch dort zu halten. Doch irgendwie hat es funktioniert 😉 Ach ja – hab ich schon erwaehnt, dass dieser Samstag der heisseste Tag in diesem bisherigen jahr war?
Was danach kam traf mich total unerwartet. Ich hatte mit einer Stretch-Limo fuer das Brautpaar gerechnet – doch es kam ein Stretch-Truck fuer die komplette „wedding Party“ – und mich. Zack sass ich in der Party-Limo. Und wir sind nicht zum Haus zurueck gefahren – sondern in der Gegend herum, fast 3 Stunden lang … Es wurde sogar an einer Bar angehalten (15 Uhr) um Kurze zu trinken – und am Bierladen, weil der Champagne ausging (15:30 Uhr)… ach ja – und an der Tankstelle, weil der Braeutigam eine CD fuer die Limo kaufen wollte … Leute ich sag euch, ich habe Dinge in dieser Limo gesehen, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Die Bilder kann und will ich nicht hochladen … und dabei dachte ich, ich haette schon exzessive Partys erlebt – falsch gedacht sag ich da nur…
Die Party im „backyard“ (Garten) ging etwas gediegener zu. Zumindest bis circa 23 Uhr. Ich habe von 7:30 am Morgen bis 22:30 am Abend 2.000 Bilder gemacht. Viele doppelt und dreifach, wenn nicht fuenffach, um sicher zu gehen, dass mindestens eins von der jewiligen Situation etwas wird (ja – ich hatte Panik es zu versauen). Man traut sich nicht mal aufs Klo zu gehen, da das Brautpaar ja den Hochzeitskuchen anschneiden koennte oder irgend jemand eine Ueberraschung aus dem Hut zieht. Und wenn der Kuchen dann endlich angeschnitten wird kaempft man gegen die Daemmerung und MUSS mit Blitz fotografieren (ich hasse Blitzlichbilder) – und dann entdeckt man Menschen neben einem mit dreimal so grossen und viermal so teuren Kameras wie meine … Klasse – ich wurde ja auch nur per Ansage allen als „Die Hochzeitsfotografin aus Germany“ vorgestellt … „Nein!“ haette ich am liebsten geschrieen, „ich wohne in Qualicum Beach und arbeite auf einer Alpaca Farm!“
Wie auch immer – ich hab es ueberlebt und dem Brautpaar an die 600 Bilder uebergeben mit denen ich zufrieden war. Sie waren es auch 😉 Und ich hatte nicht nur Stress – ich hatte auch Spass und hab viel gelacht. Dennoch, eins steht felsenfest: Egal war fragt, egal wieviel Geld im Spiel ist und egal wie einfach es sich anhoert – ich werde NIE, NIE wieder Hochzeits-Fotograf spielen. Ruft mich an wenn ihr ein „destroy the dress“ shooting machen wollt und ich bin dabei – aber eine Hochzeit? NOPE!
Hier ein kleiner Auszug vom ganzen Tag:
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