Toronto Marlies vs. American Rochester

28 03 2010

… wow … wow … wow … So renn ich eigentlich den ganzen Tag hier herum. Die im Hostel wissen schon wie ich meinen Kaffee trinke und man gewoehnt sich selbst an 6-Bett Zimmer. Was mich leicht nervt ist das Leben aus dem Rucksack. Ich bin staendig auf der Suche nach irgendetwas weil ich es wieder in irgend eine Tasche irgendwo hin gesteckt habe … Aaaah! Ich suche schon in einer „strukturierten Umgebung“ staendig mein Zeug – hier bin ich voellig planlos. Aber egal, es gibt genug Dinge, die das Leben aus dem Rucksack im Handumdrehen wieder absolut lebenswert machen.

Wie zum Beispiel Eishockey. Leck mich am Arsch, war das cool. Wir waren eine ganze Gruppe aus dem Hostel, an die zwanzig Leute. Und zum ersten Mal im Leben musste ich bei einer Nationalhymne aufstehen – und dann wurde auch noch die der Gaeste zuerst gespielt, sprich die amerikanische. :o) (@Ilona + Sandra Tw.: Ihr wisst, dass ich die auswendig kann, habe sie im Buero oft genug „gesungen“). Dann ging es los, natuerlich mit riesen Tam Tam und Eroeffnungsshow. Da sitzen dann wirklich Menschen mit grossen Schaumstoffdaumen, ein Maskottchen rennt durch die Zuschauerraenge und Cheerleader huepfen herum. Und auf dem Eis ging es dann zur Sache. Ich hatte ja erwartet, dass sich frueher oder spaeter zwei Spieler anrempeln wuerden, mit den Brustkoerben gegeneinander springen wuerden, die Handschuhe und den Stock aufs Eis schmeissen wuerden um sich dann die Nasen einzuschlagen (bis ins Kleinhirn :o). Und ich musste nicht lange warten. Und es waren nicht nur zwei Maenner sondern an die sechs, die sich gepruegelt haben. Zwei Referees mittendrin, die versuchten zu schlichten. Das Erstaunliche: So ploetzlich die Jungs aufeinander losgehen, so ploetzlich laecheln sie sich auch wieder an und klopfen sich auf die Schultern. Natuerlich pruegeln sie sich nur eine Minute spaeter auch schon wieder …. Eishockey-Referee scheint mir so gefaerhrlich zu sein wie Krabbenfischer in Alaska. Die muessen sich schonmal kopfueber ueber die Bande hechten um einer Horde auszuweichen oder sich tapfer in eine Massenschlaegerei stuerzen. Wenn ich ehrlich bin, dann haetten mir 2 Spielabschinitte gereicht. Dreimal 20 Minuten mit jeweils 20 Minuten Pause dazwischen waren recht lang, auch wenn AC/DC und Slipknot ueber Lautsprecher lief. Mit der Zeit wurde es auch etwas kalt. Was sehr witzig war, war die Kissing Cam -> sprich zwei Menschen, die irgendwo im Stadion nebeneinander sassen,  gefilmt und dann auf dem Riesenmonitor eingeblendet wurden, die mussten sich kuessen. Es haben auch tatsaechlich alle getan, ausser die zwei Spieler auf der Rochester Ersatzbank, die sich nur kurz angesehen und dann den Kopf geschuettelt haben …  Am Ende hiess es Toronto Marlies 2 – American Rochester 7.

Von einer 20 Leute Gruppe waren ploetzlich nur noch vier ueber. Mareike aus Hamburg, Alex aus Oesterreich, Lyndon aus Neuseeland und meine Wenigkeit. Natuerlich hatte keiner aufgepasst, wie wir zum Stadion gekommen waren. Alles was wir wussten, war, dass wir das Air Taxi und die Metro benutzt hatten und mehrmals umgestiegen waren. Doch irgendwie haben wir es geschafft nach Downtown zurueck zu kommen. Dort ging es dann zum Yonge-Dundas Square wo ein Konzert stattfand. Es war wie der Schwabe sagen wuerde „fuer umme“, und zudem auch noch fuer einen guten Zweck. Das Ganze nannte sich Earth Hour und war von WWF – und punkt 20:30 gingen auf einem der am meisten beleuchteten Plaetze in Toronto fuer eine Stunde die Lichter aus. Ganz Toronto war aufgerufen eine Stunde lang die Lichter auszuschalten und selbst in Restaurants wurde mit Kerzenlicht gegessen. Selbst der Strom, der fuer das darauf folgende unplugged Konzert gebaucht wurde, stammte von Solarzellen. 

So schoen die Musik auch war, uns wurde es definitiv zu kalt. Wenn du dann trotz Doppeljacke bibbernd zum naechsten Pub laeufst und dir ein Kanadier in T-Shirt und kurzen Laufhosen entgegenjoggt (21 Uhr), dann zweifelst du wirklich an deinem Verstand. Im Pub war es mal wieder wow … wow … wow. Offensichtlich hatten wir eine der Bars erwischt, in die die ganzen Eishockeyfans nach dem Spiel gehen. Blau-weisse Trikots und BB-Caps ueberall …  Alex hob die Hand um die Kellnerin zu rufen, ein wildfremder Kanadier grinste, winkte, kam zum Tisch, klatschte ab und ging grinsend wieder davon … Lyndons Jacke hing hinter der Stuhllehne halb auf dem Boden, ein anderer wildfremder Kanadier kam an, hob die Jacke hoch, haengte sie richtig ueber den Stuhl und erklaerte Lyndon “ No problem buddy, I“d take care for you …“ Soviel wie „Kein Problem Alter, ich pass auf dich auf …“ Meine Jacke auf den Boden zu schmeissen ware in diesem Moment zu auffaellig gewesen, doch ich geb zu, dass ich kurz darueber nachgedacht habe … :o))))

Ich habe jetzt noch eine Bleibe bis zum 10. April, dann werd ich vermutlich Richtung Norden / Nordwesten losziehen. Habe mich bereits auf drei Farms beworben. 

1) Hundekennel mit 30 Huskies versorgen und Feuerholz machen helfen

2) Rentiere fuettern, Ahornsirup einsammeln, Tiere versorgen und Zaeune bauen

3) Gewaechshaus bauen, Artischokken anbauen, ernten und auf dem Wochenmarkt verkaufen

Hoffentlich meldet sich von denen jemand und will mich fuer Kost & Logie bei sich arbeiten lassen :o) Bilder + Eishockeyvideo folgen heute im Laufe des Tages. Mareike leiht mir ihren Laptop, damit ich alles hochladen kann. ich geh jetzt mal Pancakes fruehstuecken, immerhin ist es schon 10:00.

:o)))))))))))))))