I’m walking …

11 04 2010

Sonntagmorgen, 9 Uhr, ein kurzer Blick aus dem Fenster genuegt und es ist klar: Bei diesem Wetter im Haus bleiben geht garnicht! Also schnell Kaffee trinken, Jacke an und Kamera in den Rucksack. Wie komme ich nach Niagara-on-the-Lake? Oooh, das ist weit …. Egal, ich laufe gerne … Es ist wirklich sehr weit …. Schliesslich setzt Matthias mich am Niagara River Boulevard ab, der direkt am Niagara River entlang fuehrt. Der Niagara River wiederum fliesst vom Eriesee in den Ontariosee und ist gleichzeitig die Grenze zwischen Kanada und den USA, ich schlender also am Fluss antlang und sehe die ganze Zeit ueber beide Laender. 18 Grad, strahlend blauer Himmel und eine gigantische Aussicht. Radfahrer und Fussgaenger kommen mir entgegen und sagen ausnahmslos Hello oder Good morning … Irgendwann lande ich auf einer Parkbank, sitze in der Sonne, mit Blick ueber den Fluss und geniesse das Wetter. Ploetzlich knackt es direkt neben mir im Unterholz. Auch wenn es in dieser Gegend keine Baeren gibt nimmt man so ein Knacken anders wahr wie zuhause in Deutschland. Nur eine Sekunde spaeter schiesst auch schon ein (wilder!) Truthahn aus dem Gebuesch, mit der Spannweite einer Cessna – ich frage mich wie so ein Monster von Truthahn ueberhaupt noch in die Luft kommt und warum meine Kamera immer dann im Rucksack ist wenn ich gerne auf den Ausloeser druecken wuerde.
Der restliche Spaziergang nach Niagara on the Lake verlaeuft entspannt, irgendwann komme ich in dem kleinen Steadtchen mit historischen Charme an, goenne mir ein Eis, sitze im Park, spiele mit einem wildfremden Hund (ein Monsterteil von Weimaraner!)Frisbee und geniesse weiterhin das Wetter. Die Zeit vergeht und ich habe die Wahl – entweder zu einer Kellerei laufen in der Matthias Tochter arbeitet, die mich dann in ihrem Auto mitnehmen wuerde – oder den kompletten Weg zurueck laufen. Es ist noch frueh, gerade mal drei Uhr, noch immer Bombenwetter und ich entscheide mich zu laufen. :o)
Im Nu, so fuehlt es sich zumindest an, bin ich an der Stelle, an der Matthias mich morgens abgesetzt hat. Dann kommt die Abzweigung zur Line 1 – ich weiss, ich muss in die Line 3 einbiegen. Es dauert bis Line 2 kommt und ich bin erleichtert als ein gutes Stueck spaeter Line 3 auftaucht. Da Matthias mir morgens die Kellerei gezeigt hat und wir nicht die Line 3 entlang gefahren sind, dauert es zirka eine halbe Stunde, bis mir klar wird wie lang die Line 3 ist. Ich laufe … und laufe … und laufe … und muss immmer wieder an den Duracell Hasen denken. Die Strasse ist kerzengerade und ich kann meilenweit sehen, doch ich sehe meilenweit kein Country Tyme Vineyards … oder irgend etwas was mir bekannt vorkommt. Ich laufte weiter … und weiter … und weiter … Wenn man sehr weit sehen kann und alles gerade ist, dann kommt es einem wirklich so vor als wuerde man sich kaum von der Stelle bewegen. Vielleicht war es doch Line 2? Kanadier, die gerade auf ihrer Veranda beim Sonntagskaffee sitzen, mustern mich kurz irritiert, laecheln dann aber, winken und rufen sogar quer durch den Vorgarten ein freundliches „Hello“ … Ich kann ihnen ansehen, dass Fussgaenger in der Line 3 eine Seltenheit sind … Und dann, endlich, kommt Country Tyme Vineyards in Sicht! Na also – ich bin doch in der richtigen Line :o) Und eines steht fest: Ich werde heute Nacht schlafen wie ein Baby …