Erneut Schnelldurchlauf

15 05 2010

Sonntag, 09. Mai: Ich bin „off“ – sprich ich habe frei. Zum ersten Mal seit gefuehlten Wochen mache ich garnichts – ich haenge den ganzen Tag nur rum, skype, surfe, lese und schaue DVD’s. Das Wetter ist bizarr, am morgen liegt noch Schnee und am Nachmittag sitze ich auf der gruenen Wiese im T-Shirt in der Sonne …

Montag, 10. Mai: Noch ein Tag „off“ – wunderbar … doch im Gegensatz zum Tag davor faulenze ich nicht, sondern schufte den ganzen Tag im Garten an meinem „Pretty River Projekt“ – dazu spaeter mehr. Am Nachmittag fange ich an fuer 8 Personen zu kochen, es gibt gefuellte Schittlauchpfannkuchen, ueberbacken, und zum Nachtisch Zucchini Brot. Alles gelingt und schmeckt ;o) Nach dem Essen verspricht mir Paul die Witze ueber kochende Vegetarier in Zukunft sein zu lassen – Ziel erreicht!

Dienstag, 11. Mai: Wieviele Menschen braucht man um 5 Rentiere zu impfen? Man braucht 8 Erwachsene plus einen sehr tapferen Tierarzt. Mit einem Schneezaun wird die kleine Herde zusammen getrieben und ich bin natuerlich der Depp, der in der Kurve stehen muss und beinahe ueber den Haufen gerannt wird … Als die Tiere endlich im Paddock sind beginnt das Wrestling, anders kann man es nicht nennen. Waehrend 6 Erwachsene mit erhobenen Haenden am Lattenzaun stehen um die Tiere vom Springen abzuhalten, halten Paul Senior (2 Meter) und Sohn John (2 Meter) je ein Tier fest, damit der Tierarzt nacheinander die vier Spritzen setzen kann. Alle drei kommen nicht ohne blaue Fflecke davon. Der Hufabdruck der sich im Laufe der Woche auf Johns Oberschenkel abzeichnet ist beeindruckend … Am Abend ist wieder Cinema Night – wir sehen uns “How to train your Dragon” in 3D an. Guter Film!

Mittwoch, 12. Mai: Neben dem alltaeglichen Tiere fuettern findet man mich mal wieder im Garten. Ich saee Rote Beete, drei verschiedene Bohnensorten und eine weitere Salatsorte ;o) Die Salate die ich bereits gesaet habe spriesen schon – Ye Haa ;o) Am Abend starten Paul Junior, John, Loraine und ich ein Lagerfeuer. Wir „klauen“ mit freundlicher Genehmigung von Paul Senior Gartenstuehle, Muffins, Bier und 13 Jahre alten Whiskey ;o)

Donnerstag, 13. Mai: Nach viel zu wenig Schlaf bin ich leicht verkatert, doch ich muss schnell wach werden. Es besteht der Verdacht, dass ein angemeldeter Gast ein „Inspektor“ ist, der das Pretty River Valley Country Inn bewerten soll. Also herrscht Alarmstufe rot und es wird so ziemlich alles geputzt, was geputzt werden kann … Ich arbeite mit Chris, der hier fest angestellt ist und bisher im Urlaub war. Es regent, ich bin klitschnass, dreckig und kehre die Hofeinfahrt, die ungefaehr dem Kaufland Neckersulm Parkplatz entspricht. Danach werden Treppenstufen geschrubbt, der Rasen gemaeht und saemtliche Gartenmoebel von Vogelscheisse befreit – was einen nicht umbringt macht einen hart. Manikuere ist hier fehl am Platz, steandig hat man irgendwo Heu haengen und meine Gummistiefel sind wie eine zweite Haut – wenn man dennoch Prinzessin genannt wird kann man nur grinsen ;o Als der Gast eincheckt ist sofort klar: Es war nur falscher Alarm … Wir haben so schnell gearbeitet, dass wir bis zur Nachmittagsfuetterung nichts mehr zu tun haben. Chris sagt: „Relax …“, woraufhin ich sofort wieder in den Garten renne um an meinem Projekt weiter zu arbeiten. Der Donnerstagabend ist mittlerweile Routine: 20:00 Vampire Diaries / 21:00 Grey’s Anatomie / 22:00 Private Practice.

Freitag, 14. Mai: Das Wetter schwankt erneut zwischen Regen und Sonnenschein. Wir sind wieder schnell mit allem fertig und als Chris sagt: „Relax …“, ziehe ich natuerlich sofort meine Gummistiefel an und renne in den Garten. Am Abend schleiche im mich in den wwoofer TV Raum um mir das NASCAR Training anzusehen, doch der Fernseher laeuft schon. Chris sitzt da um sich das Training anzusehen …

Samstag, 15. Mai: Der Regen haengt den ganzen Tag ueber in der Luft – faellt aber nicht. Nach dem Fuettern spiele ich wieder Zimmermaedchen und am Nachmittag stelle ich auf den letzten Druecker mein Projekt fertig. Alles was ich hatte war ein Eimer, ein Garten voller Erde, ein Rechen, Handschuhe, Unkrautfolie, den Hauseigenen Steinbruch einen halben Kilometer vom Garten entfernt und eine Schubkarre. Aus einem Weg, der nur aus Unkraut und ein paar Steinen bestand, habe ich einen neuen Weg gemacht. „Dieser Weg … wird kein leichter sein … dieser Weg wird steinig und schwer …“ Er ist weder eben noch absolut symmetrisch, was er mit mehr Zeit und dem richtigen Werkzeug vielleicht geworden waere, doch er ist schoen, auf seine eigene Art perfekt und er passt zu Pretty River. Ich bin ziemlich stolz ;o Es war harte Arbeit die passenden Steine im Steinbruch zu finden, aufzuladen, durch die Gegend zu Karren und im vom Reger aufgeweichten Garten zu verlegen. Der Weg sollte ein paar Jahre halten, sprich ich habe mich im Pretty River Valley verewigt ;o) Bilder folgen morgen.

„Wohin gehst du als naechstes?“ – „Nach Val Gagne.“ – „Wo ist das?“ – „In der Naehe von Timmins.“ Irgendwie halten dann alle immer kurz die Luft an. Paul Senior, John und nun auch noch Chris haben ihren Spass daran, mich auf ihre ganz persoenliche Art auf den hohen Norden Ontarios vorzubereiten. „Da liegt noch Schnee.“ – „Du erwischst voll die Bug-Season/Kaefer Saison.“ – „Da sprechen sie nur franzoesisch …“ – „Da gibt es Moskitos in der Groesse von Tauben.“ – „Dort kannst du nicht einmal atmen ohne Fliegen zu inhallieren.“ – “Faehrt der Bus bis dorthin oder musst du den Rest mit dem Kanu zurueck legen?” – “Nimm besser einen Sack Reis mit …” Paul versucht das Wetter dort oben Online zu checken, findet Val Gagne jedoch nicht. „Doch hey, dort gibt es sogar eine Dating Seite … ups – die hat jedoch nur 3 Mitglieder … das wird kompliziert.“ – „Aber ey, der Speed Dating Abend ist im Nu vorbei und ihr koennt alle in einem Auto hinfahren …“ Selbst wenn ich meine Waesche wasche wollen sie mich zum Fluss schicken, um mich schon einmal fuer den hohen Norden ueben zu lassen. Ich bin und bleibe optimistisch, auch wenn mir morgen 17 Stunden Bustour fuer eine Strecke von 650 km bevor stehen (ich brauche definitiv dringend ein Auto). Auf ungefaehr der Haelfte der Strecke treffe ich Clement, einen wwoofer aus Frankreich, der auch zur Farm von Noreen und Regis Daigle “pilgert”. Ich habe schon zweimal mit Moreen telefoniert und mein Gefuehl sagt mir, dass ich dort oben Spass haben werde. Das Einzige was mich momentan stresst ist der Gedanke, dass ich morgen meinen Rucksack, besser gesagt meine Rucksaecke, packen muss. Alles war schon ganz kurz vor dem explodieren als ich hier ankam, jetzt sollen zusaetzlich auch noch 2 neue Shirts, ein BBCap, 6 Paar neue Socken, Sonnencreme, Feuchtigkeitscreme, Mueckenschutz und ein Buch hinein passen. Ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll … ich brauche definitiv dringend ein Auto …

Dass schon wieder 3 Wochen um sind und ich morgen erneut “Auf Wiedersehen” sagen muss kann ich noch garnicht glauben …