Vom Pferde-Schreier zum Pferde-Fluesterer

16 05 2010

Der letzte Tag auf Pretty River Valley … Ich war „off“ und hatte somit Zeit in Ruhe zu packen. Entweder ich habe etwas vergessen oder ich werde beim Packen besser, denn ploetzlich wurden aus 3 Taschen wieder 2 … keine Ahnung warum. Linda war unterwegs und ich hatte eigentlich erst nachmittags mit ihr gerechnet, doch sie kam extra frueher, da sie noch etwas mit mir vor hatte. „Wenn du auf einem Pferd reitest fresse ich einen Besen …“, hat Sandra H. mir vor gut 2 Wochen per eMail geschrieben. Ich habe zurueck geschrieben: „Bevor ich auf ein Pferd steige, fresse ich den Besen freiwillig …“ Doch heute kam alles ganz anders …

Linda hat ihre ganz eigene Art mit den Pferden umzugehen und hier darf nur der auf ein Pferd steigen, der sieben Spiele mit ihnen spielen kann. Also steige ich (Hosentaschen voller Leckerli) mit einem sogenannten Carrotstick (ein langer orangefarbener Stecken als Verlaengerung meiner Hand) und Nanuk (Chef der Herde) in den Ring der Reit-Arena. Nanuk kennt mich vom Fuettern, ausserdem ist er trainiert und kennt die Spiele. Doch laut Linda spielt er nicht mit jedem und schon garnicht alle sieben Spiele, die sich im Schwierigkeitsgrad steigern.

Spiel Nummer eins: The Friendly Game – sprich ich bin freundlich und teste, ob Nanuk sich ueberall von mir anfassen laesst und dabei entspannt bleibt. Es funktioniert (da ich Nanuk heimlich mit Leckerli vollstopfe). Danach kommt das Porkypine Game – das Stachelschwein Spiel. Durch bloses Handauflegen, besser gesagt zwei Finger, soll ich das Tier in eine bestimmte Richtung dirigieren. Und es funktioniert. Ich beruehre kaum das Fell und schon geht Nanuk in die gewuenscht Richtung, er geht selbst rueckwearts, was Pferde laut Linda hassen da es ihrem natuerlichen Instinkt widerstrebt. Spiel Nummer 3, jetzt wird es interessant, The Driving Game. Ich soll das Pferd wieder in bestimmte Richtungen dirigieren, 4 Schritte entfernt ihm gegenueberstehend und ohne ihn anzufassen … Linda erklaert mir alles worauf ich achten muss, Koerpersprache und das richtige Timing sind das A und O. Ich konnte es kaum glauben, ich brauchte mich nur zur Seite lehnen und Nanuks Hintern mit der richtigen Koerpersprache anzustarren, dann hat er sich auch schon in die entsprechende Richtung gedreht … Ich musste keinen Ton sagen, einfach nur seinen Hintern anstarren oder die Schultern straffen, schon drehte er sich zur Seite oder ging rueckwaerts. Spiel Nummer 4: JoJo – wieder stehe ich Nanuk gegenueber. Durch Schultern straffen oder mich nach vorne lehnen hole ich ihn zu mir her oder schicke ihn von mir weg – wieder beinahe wortlos, lediglich Lob wird laut ausgesprochen. „Good Boy …“ Ich war beinahe sprachlos … Spiel Nummer 5: Durch einen blossen Fingerzeig und Koerpersprache soll ich Nanuk in der von mir gewuenschten Richtung an der Longe im Kreis laufen lassen – solang bis ich ihn zu mir in die Kreismitte einlade. Rechtsherum funktioniert einwandfrei – links herum wird es Nanuk dann zu bloed und er kommt zu mir ohne dass ich ihn in die Mitte rufe, da er weiss, dass meine Taschen voller Leckerli sind. Doch schliesslich funktioniert es. Spiel Nummer 6: Nanuk steht direkt der Wand gegenueber und ich bringe ihn durch Koerpersprache dazu mit Vorder und Hinterbeinen ueberkreutzt an der Wand entlang zu gehen. Spiel Nummer 7: Nanuk muss durch eine sehr schmale Luecke zwischen mir und der Wand hindurch gehen- er zoegert kurz, geht jedoch gleich darauf entspannt hindurch. Zum Abschluss hat Linda ploetzlich einen grossen Gymnastikball in der Hand. Sie platziert ihn auf der anderen Seite der Arena. Ich soll Nanuk dazu bringen, dass er quer durch die Arena geht und den Ball beruehrt. Ich darf weder Nanuk noch den Ball anfassen. Jetzt kommen fast alle Spiele zum Einsatz. Ich starre Nanuks Hintern an, damit er sich dreht, ich hole ihn wie ein Jojo zu mir und wir gehen zusammen durch die Arena, ohne dass ich ihn anfasse … Gehe ich langsam, geht er langsam, gehe ich schneller, wird auch Nanuk schneller. Neugierig sieht er immer in die Richtung in die ich sehe, Richtung Ball. Dort angekommen muss ich nur noch „touch“ sagen und schon kickt Nanuk den Ball weg! Ye Haa!

Drei Minuten speater sitze ich auf Nanuks Ruecken – OHNE SATTEL! BAREBACK!!!! Linda gibt wieder Anweisungen und es ist einfach unglaublich. Ich muss nur die Schultern straffen und mit allen 4 Backen grinsen, schon geht Nanuk los. Er laeuft immer automatisch in die Richtung in die ich schaue, die Zuegel sind nur zum festhalten da, kein Gebiss, kein Lederhalfter, nur geknuepfte Kordeln. Um anzuhalten muss ich nur tief ausatmen und die Schultern fallen lassen, schon bleibt Nanuk stehen. Ich reite bareback durch die Arena, wenn auch nur im Schritt-Tempo …

Was fuer eine Erfahrung … haette mir vor 3 Wochen jemand gesagt, dass ich ein Pferd dazu bringen kann sich zu drehen, indem ich seinen Hintern anstarre, dann haette ich ihm den Vogel gezeigt. Aus dem Pferde-Schreier („Back Off“ – „ForFuckSake go away“) wurde heute ein Pferde-Fluesterer („Good Boy“). Ich war die ganze Zeit ueber total entspannt und selbst auf dem blanken Ruecken fuehlte ich mich pudelwohl. Nanuk und Linda waren beide einfach nur der Hammer – ich werde jetzt definitiv weniger Angst vor Pferden haben und habe heute sehr viel gelernt. Laut Linda machte ich einen guten Job („pretty damn good“) und selbst meine Haltung auf dem Pferd hat sie ueberrascht, denn ich sass fuer einen Anfaenger richtig schoen aufrecht. (What? Ich laufe nicht einmal aufrecht ….)

Wenn ich im Laufe meines Kanada-Jahres noch einmal nach Pretty River zurueck komme, was ich definitiv vor habe, dann gehen wir ausreiten … meine 3 Wochen hier waren unbeschreiblich schoen und wieder faellt es mir schwer „Auf Wiedersehen“ zu sagen …



Pretty River Bilder

16 05 2010


Erneut Schnelldurchlauf

15 05 2010

Sonntag, 09. Mai: Ich bin „off“ – sprich ich habe frei. Zum ersten Mal seit gefuehlten Wochen mache ich garnichts – ich haenge den ganzen Tag nur rum, skype, surfe, lese und schaue DVD’s. Das Wetter ist bizarr, am morgen liegt noch Schnee und am Nachmittag sitze ich auf der gruenen Wiese im T-Shirt in der Sonne …

Montag, 10. Mai: Noch ein Tag „off“ – wunderbar … doch im Gegensatz zum Tag davor faulenze ich nicht, sondern schufte den ganzen Tag im Garten an meinem „Pretty River Projekt“ – dazu spaeter mehr. Am Nachmittag fange ich an fuer 8 Personen zu kochen, es gibt gefuellte Schittlauchpfannkuchen, ueberbacken, und zum Nachtisch Zucchini Brot. Alles gelingt und schmeckt ;o) Nach dem Essen verspricht mir Paul die Witze ueber kochende Vegetarier in Zukunft sein zu lassen – Ziel erreicht!

Dienstag, 11. Mai: Wieviele Menschen braucht man um 5 Rentiere zu impfen? Man braucht 8 Erwachsene plus einen sehr tapferen Tierarzt. Mit einem Schneezaun wird die kleine Herde zusammen getrieben und ich bin natuerlich der Depp, der in der Kurve stehen muss und beinahe ueber den Haufen gerannt wird … Als die Tiere endlich im Paddock sind beginnt das Wrestling, anders kann man es nicht nennen. Waehrend 6 Erwachsene mit erhobenen Haenden am Lattenzaun stehen um die Tiere vom Springen abzuhalten, halten Paul Senior (2 Meter) und Sohn John (2 Meter) je ein Tier fest, damit der Tierarzt nacheinander die vier Spritzen setzen kann. Alle drei kommen nicht ohne blaue Fflecke davon. Der Hufabdruck der sich im Laufe der Woche auf Johns Oberschenkel abzeichnet ist beeindruckend … Am Abend ist wieder Cinema Night – wir sehen uns “How to train your Dragon” in 3D an. Guter Film!

Mittwoch, 12. Mai: Neben dem alltaeglichen Tiere fuettern findet man mich mal wieder im Garten. Ich saee Rote Beete, drei verschiedene Bohnensorten und eine weitere Salatsorte ;o) Die Salate die ich bereits gesaet habe spriesen schon – Ye Haa ;o) Am Abend starten Paul Junior, John, Loraine und ich ein Lagerfeuer. Wir „klauen“ mit freundlicher Genehmigung von Paul Senior Gartenstuehle, Muffins, Bier und 13 Jahre alten Whiskey ;o)

Donnerstag, 13. Mai: Nach viel zu wenig Schlaf bin ich leicht verkatert, doch ich muss schnell wach werden. Es besteht der Verdacht, dass ein angemeldeter Gast ein „Inspektor“ ist, der das Pretty River Valley Country Inn bewerten soll. Also herrscht Alarmstufe rot und es wird so ziemlich alles geputzt, was geputzt werden kann … Ich arbeite mit Chris, der hier fest angestellt ist und bisher im Urlaub war. Es regent, ich bin klitschnass, dreckig und kehre die Hofeinfahrt, die ungefaehr dem Kaufland Neckersulm Parkplatz entspricht. Danach werden Treppenstufen geschrubbt, der Rasen gemaeht und saemtliche Gartenmoebel von Vogelscheisse befreit – was einen nicht umbringt macht einen hart. Manikuere ist hier fehl am Platz, steandig hat man irgendwo Heu haengen und meine Gummistiefel sind wie eine zweite Haut – wenn man dennoch Prinzessin genannt wird kann man nur grinsen ;o Als der Gast eincheckt ist sofort klar: Es war nur falscher Alarm … Wir haben so schnell gearbeitet, dass wir bis zur Nachmittagsfuetterung nichts mehr zu tun haben. Chris sagt: „Relax …“, woraufhin ich sofort wieder in den Garten renne um an meinem Projekt weiter zu arbeiten. Der Donnerstagabend ist mittlerweile Routine: 20:00 Vampire Diaries / 21:00 Grey’s Anatomie / 22:00 Private Practice.

Freitag, 14. Mai: Das Wetter schwankt erneut zwischen Regen und Sonnenschein. Wir sind wieder schnell mit allem fertig und als Chris sagt: „Relax …“, ziehe ich natuerlich sofort meine Gummistiefel an und renne in den Garten. Am Abend schleiche im mich in den wwoofer TV Raum um mir das NASCAR Training anzusehen, doch der Fernseher laeuft schon. Chris sitzt da um sich das Training anzusehen …

Samstag, 15. Mai: Der Regen haengt den ganzen Tag ueber in der Luft – faellt aber nicht. Nach dem Fuettern spiele ich wieder Zimmermaedchen und am Nachmittag stelle ich auf den letzten Druecker mein Projekt fertig. Alles was ich hatte war ein Eimer, ein Garten voller Erde, ein Rechen, Handschuhe, Unkrautfolie, den Hauseigenen Steinbruch einen halben Kilometer vom Garten entfernt und eine Schubkarre. Aus einem Weg, der nur aus Unkraut und ein paar Steinen bestand, habe ich einen neuen Weg gemacht. „Dieser Weg … wird kein leichter sein … dieser Weg wird steinig und schwer …“ Er ist weder eben noch absolut symmetrisch, was er mit mehr Zeit und dem richtigen Werkzeug vielleicht geworden waere, doch er ist schoen, auf seine eigene Art perfekt und er passt zu Pretty River. Ich bin ziemlich stolz ;o Es war harte Arbeit die passenden Steine im Steinbruch zu finden, aufzuladen, durch die Gegend zu Karren und im vom Reger aufgeweichten Garten zu verlegen. Der Weg sollte ein paar Jahre halten, sprich ich habe mich im Pretty River Valley verewigt ;o) Bilder folgen morgen.

„Wohin gehst du als naechstes?“ – „Nach Val Gagne.“ – „Wo ist das?“ – „In der Naehe von Timmins.“ Irgendwie halten dann alle immer kurz die Luft an. Paul Senior, John und nun auch noch Chris haben ihren Spass daran, mich auf ihre ganz persoenliche Art auf den hohen Norden Ontarios vorzubereiten. „Da liegt noch Schnee.“ – „Du erwischst voll die Bug-Season/Kaefer Saison.“ – „Da sprechen sie nur franzoesisch …“ – „Da gibt es Moskitos in der Groesse von Tauben.“ – „Dort kannst du nicht einmal atmen ohne Fliegen zu inhallieren.“ – “Faehrt der Bus bis dorthin oder musst du den Rest mit dem Kanu zurueck legen?” – “Nimm besser einen Sack Reis mit …” Paul versucht das Wetter dort oben Online zu checken, findet Val Gagne jedoch nicht. „Doch hey, dort gibt es sogar eine Dating Seite … ups – die hat jedoch nur 3 Mitglieder … das wird kompliziert.“ – „Aber ey, der Speed Dating Abend ist im Nu vorbei und ihr koennt alle in einem Auto hinfahren …“ Selbst wenn ich meine Waesche wasche wollen sie mich zum Fluss schicken, um mich schon einmal fuer den hohen Norden ueben zu lassen. Ich bin und bleibe optimistisch, auch wenn mir morgen 17 Stunden Bustour fuer eine Strecke von 650 km bevor stehen (ich brauche definitiv dringend ein Auto). Auf ungefaehr der Haelfte der Strecke treffe ich Clement, einen wwoofer aus Frankreich, der auch zur Farm von Noreen und Regis Daigle “pilgert”. Ich habe schon zweimal mit Moreen telefoniert und mein Gefuehl sagt mir, dass ich dort oben Spass haben werde. Das Einzige was mich momentan stresst ist der Gedanke, dass ich morgen meinen Rucksack, besser gesagt meine Rucksaecke, packen muss. Alles war schon ganz kurz vor dem explodieren als ich hier ankam, jetzt sollen zusaetzlich auch noch 2 neue Shirts, ein BBCap, 6 Paar neue Socken, Sonnencreme, Feuchtigkeitscreme, Mueckenschutz und ein Buch hinein passen. Ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren soll … ich brauche definitiv dringend ein Auto …

Dass schon wieder 3 Wochen um sind und ich morgen erneut “Auf Wiedersehen” sagen muss kann ich noch garnicht glauben …



Schnelldurchlauf der vergangenen Woche:

9 05 2010

Montag, 03.Mai: circa 22 Grad, Spa, in der Stadt indisch Essen und danach faulenzen. Am Abend kommt ein neuer wwoofer an, er heisst Elly, ist 30 und kommt aus Toronto. Libby, 32, aus London und hier fest angestellt, hat einen Blog fuer den sie jeden Tag etwas ungewoehnliches tun muss. Also verkleidet sie sich wie eine Fee und ich drehe ein Video waehrend sie durch das Rentier-Gehege rennt und elegant vor Gandalf fluechtet. Ich verwackle total, da ich mich vor lauter Lachen wegschmeisse …

Dienstag, 04.Mai: circa 20 Grad, den Tag ueber Tiere fuettern, Blaubeeren ausgraben und umsiedeln. Dienstag Abend ist wie immer Kinotag, also faehrt Linda die Jungs und mich nach Collingwood. Jacob und ich stellen uns beim „Frozen Joghurt“ an, Elly (der sich schon den ganzen Tag ueber so langsam bewegt, dass man das Gefuehl hat er geht rueckwaerts) geht rein um uns einen Platz zu besetzen. Und wo sitzt er als wir mit dem Joghurt in den Haenden reinkommen? Schoen mittig in der 2ten Reihe … hinter ihm ist alles leer … Was stimmt mit den Amis nicht? Warum fangen die meisten an die Kinoreihen von vorne aufzufuellen? Wie auch immer, wir setzen uns um und sehen uns „The Losers“ von weiter hinten an. Aus Facebook wissen wir, dass Jacob Geburtstag hat, deshalb wartet auf Pretty River ein Geburtstagskuchen und eine Sixpack Warsteiner. Jacob blaest die Kerzen aus und den halben Kuchen vom Tisch … ;o Eine weitere wwooferin kommt an, Lorraine, 28, aus England, Koechin, war bereits 6 Monate in Vancouver. Es ist schnell klar, dass wir beide Spass miteinander haben werden ;o Und das nicht im ironischen Sinne ;o

Mittwoch, 05.Mai: circa 18 Grad, ab dem Nachmittag Regen, Tiere fuettern, die Blaubeeren mit Unkrautabwehr-Folie abdecken und alles mit Rindenmulch zuschuetten. Elly gibt auf, da ihm die Heuballen und Scheinestall bauen zu schwer sind, er ruft seine Eltern in Toronto an, damit sie kommen und ihn abholen …

Donnerstag, 06.Mai: circa 12 Grad, fast den ganzen Tag ueber Regen, Lorraine und ich fuettern die Tiere und lachen uns dabei halb tot. Wenn die Huehner keine Eier legen steht Lorraine im Stall und erklaert dem Gefieder, wie enttauscht sie ist. Sie droht den Fernseher samt DVD Player in den Stall zu tragen um den Huehnern „Chicken Run“ zu zeigen. Wir verbringen fast den ganzen Tag auf den Knien um Unkraut zu „killen“.

Freitag, 07.Mai: circa 10 Grad, seitdem Lorraine angekommen ist fallen die Temperaturen und es regnet viel. Dennoch fuettern wir die Tiere und verbringen den Tag wieder auf den Knien. Am Abend tut uns alles weh, bevor wir in die Stadt gehen um ein oder zwei Bier zu trinken huepfen wir in den Whirlpool ;o) Schliesslich faehrt Paul Senior Jacob, Paul Junior, Lorraine und mich nach Blue Mountain in einen Pub, wo wir verschiedene Biersorten testen ;o)

Samstag, 08.Mai: circa 8 Grad und es wird von Minute zu Minute kaelter. Nach einer kurzen Nacht faellt es Lorraine und mir schwer schneller zu sein als Gandalf, doch wir schaffen es gerade noch so. Nach 3 Tagen Regen stehen wir am Nachmittag im Dauerregen, bis zu den Waden in Pferdemist, mitten auf der Pferdekoppel, zwischen wilden Pferden, und fuellen 12 alte Futtersaecke mit Kompost. Das Problem: Wir kommen im Pferdesumpf nur muehsam einen Schritt vorwaerts, die Saecke sind scheiss schwer und zudem sind die Pferde viel zu neugierig. Immer wieder werden wir und die Futtersaecke angeknabbert. Ich versuche mich als Pferde-Fluesterer, doch als die Pferde anfangen den Komposthaufen zu entern werde ich zum Pferde-Schreier. Wir versuchen uns gross zu machen, Lorraine fluchtet hinter den Zaun und ich schreie mit erhobenen Haenden um die gefuellten Saecke zu verteidigen, was die Kaltblueter jedoch nur wenig beeindruckt. Das allergroesste Problem: Wir haben keine Kraft, da wir aus dem Lachen nicht mehr heraus kommen. Ich haette nie gedacht, dass man unterkuehlt und durchnaesst beim Scheisse schaufeln so viel Spass haben kann. Zu guter letzt schocke ich mich noch selbst – knietief in einer Pfuetze stehend am Elektrozaun Halt zu suchen ist keine gute Idee. Mein linker Arm ist mehrere Minuten lang taub – keine Ahnung wieviel Volt die hier auf ihren Zaeunen haben, doch es war definitiv mehr als eine Autobatterie hergibt. Waehrend wir zu guter letzt die Tiere fuettern setzt ein Schneesturm ein. Ich dachte Paul Senior hat mich mal wieder veraeppelt, als er mir vorhersagte, dass es schneien wuerde. Ja sicher – Schnee im Mai – anfang der Woche hatte ich noch einen Sonnenbrand … und dann faengt es tatsaechlich an zu schneien … „Einfach durchhalten und an die heisse Dusche denklen“, sagen Lorraine und ich immer wieder. Als wir es endlich geschafft haben und ins Haus kommen ist es in der Kueche dunkel – Stromausfall. Und kein Strom bedeutet hier neben keiner Heizung auch kein Wasser, weder kalt noch warm … Jetzt verstehe ich auch, warum jede Suite einen offenen Kamin hat. Stromausfaelle von bis zu drei tagen sind hier keine Seltenheit – vor allem wenn es schneit … Also warten wir mehrere Stunden bis endlich wieder die Lichter angehen und wir sehr heiss und sehr lange duschen koennen ;o) Ich wuenschte ich haette die Scheisse-Schaufel Aktion auf Video …



Lucky Day

3 05 2010

Das „Spa Scandinave“ liegt direkt am Blue Mountain mitten im Wald und gehoert zu den Top 50 Spas Amerikas. Die Anlage ist wunderschoen und ich habe heute an meinem freien Tag wirklich alles mitgemacht, was in meinem „Day-Pass“ enthalten war. Vom Kalt/Heiss Wechselbad ueber die Sauna bis hin zur finnischen Eukalyptus Dampfsauna. Es war traumhaft ;o) Selbst mit dem Wetter hatte ich wahnsinns Glueck, denn ich konnte bei strahlendem Sonnenschein den ganzen Vor + Nachmittag draussen  geniessen. Und in einen fluffigen Bademantel gewickelt draussen am „outdoor Fireplace“ zu sitzen hat schon etwas sehr entspannendes … und wenn man dann nur das Zwitschern der Voegel und das Plaetschern vom Wasserfall hoert … wunderschoen.

Einen Tag  im Spa „spendiert“ zu bekommen ist schon etwas Besonderes. Doch heute war ein aussergewoehnlicher Glueckstag, denn nach meiner Rueckkehr bin ich auch noch umgezogen. Wegen Wwoofer-Ueberbuchung „musste“ ich aus dem Keller ausziehen -> in Suite Nummer 3. Ye Haaaaa! Es gibt gute Gruende, warum ich mein altes Kellerzimmer nicht fotografiert habe. Da ich dort jedoch ausschliesslich zum schlafen war, war es fuer mich ok. Meine Suite Nummer 3 hingegen will ich euch nicht vorenthalten.

Was fuer ein Tag …



no comment ;o)

2 05 2010
Janine & Matt will understand ...

Janine & Matt will understand ...



Projekt Blaubeeren, 25 Grad und Muskelkater

30 04 2010

Und schon sind die ersten fuenf Tage auf Pretty River Valley um … unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Mein Tag beginnt mit einem Kaffee, den ich draussen trinke. Danach wird gefruehstueckt (Bio-Muesli mit frischem Obst) und um halb neun beginnt das „grosse Fuettern“, was in der Regel zu zweit gemacht wird. Zuerst die Rentiere, bei denen man wie bereits gesagt schnell und auf der Hut sein muss. Getreidemuschung plus eingeweichte „Beet Root“ plus Wurmkur plus Wasser. Ich „werfe”die Schuesseln mehr ins Gehege wie das ich sie „stelle“, aus Angst Gandalf nimmt mich auf die Hoerner. Danach geht es den Berg runter zum Stall. Dort bekommen die Pferde einen Heuballen und frisches Wasser, der Stall wir rausgekehrt, Pferdeaepfel werden eingesammelt und die Huehner, die ebenfalls im Stall wohnen bekommen ebenfalls Futter und Wasser. Nach dem „Eiercheck“ schleppt man 4 schwarze Kuebel voll Pferdefutter vom Stall den Berg hoch zu den Koppeln. Auf der grossen Koppel sind zwei Heuballen faellig, was nichtganz ohne ist, denn einer davon muss mitten auf der Koppel in einen Futterstaender und wenn einem 5 Pferde am Heuballen haengen kommt man schlecht vorwaerts. „Hilton“ mein Favorit, bekommt einen der vier schwarzen Kuebel mit Getreide. Auch dies ist nicht einfach, da Frodo jedes Mal mitfressen will. Deshalb steht man in der Koppel und haelt den Kuebel unter Hiltons Schnuffel, so, dass Frodo eben nicht rankommt. Sprich: Man steht mit ausgestreckten Armen um den Kuebel hochzuhalten … und wenn einem ein Kaltblut gegenueber steht … zum Glueck ist Hilton ein absoluter „Gentleman“ und obwohl er der Groesste von allen ist, ist er mein Favorit. Wenn ich zur Koppel hochkomme und ihm rufe kommt er gleich „angeschlendert“ ;o) Nachdem die grosse Koppel „abgefuettert“ ist geht es zur minimal kleineren Koppel, wo ein Hengst und zwei traechtige Stuten 8 „Flakes“ Heu bekommen. Zusaetzlich sind die drei uebrig gebliebenen schwarzen Kuebel faellig. Die Stuten bekommen die Kuebel mit Vitaminpulver, der Hengst bekommt den Kuebel ohne Pulver. Zu dumm, dass der Hengst die ganze Zeit ueber den Stuten ans Pulver will … Danach gibt es fuer beide Koppeln noch frisches Wasser, wobei man den Wasserhahn unten am Haus anstellen muss … und auch wieder abstellen muss. Schliesslich schleppt man die 4 Kuebel wieder nach unten in den Stall, um sie fuer die Nachmittagsfuetterung vorzubereiten. Gelagert wird alles in zwei Kuehltruhen, nicht um es zu kuehlen, sondern um es vor Waschbaeren, Eichhoernchen und sonstigem Getier zu schuetzen. Mit den eingesammelten Eiern geht es wieder nach oben, wo man die Eier dann mit dem Datum beschriftet und sie in den Kuehlschrank packt. So – die Tiere sind versorgt.
Wenn Gaeste im “Inn” ausgecheckt haben heisst es Betten machen und Staub saugen (@Sandra H.: Nein – ich trage dabei kein Haeubchen im Haar). Wenn keine Gaeste auschecken gehe ich in den Garten, wobei der Garten hier keinem deutschen Durschnittsgarten entspricht. Das zum Pretty River Valley Inn gehoerende Land entspricht ungefaehr dem Siebeneicher + dem Langenbeutinger Wengert, das jedoch alles noch einmal mal zwei genommen. Am oberen Hang habe ich im kleinen Weinberg schon Unkraut gejaetet, am mittleren Hang habe ich schon die Himbeeren von Unkraut befreit, im Kraeutergarten habe ich Kraeuter gesucht und im Hauptgarten habe ich schon Salat gesaet (man gab mir die Samen plus ein Massband, damit ich weiss wieviel ein Inch ist – mal sehen ob die hier in 5 Wochen Salat ernten koennen…). Gestern wurde ich mit dem “Projekt Blaubeeren” betreut. Denen gefaellt ihr momentaner Standort nicht und so wurde ich damit beauftragt sie umzusiedeln. Also arbeite ich nach der Fuetterung im Garten, laufe Mittags kurz den Berg hoch um ein Sandwich zu essen und arbeite dann weiter im Garten. Zwischen halb drei und vier werden nocheinmal alle Tiere gefuettert und danach ist auch schon Feierabend.

Heute hatten wir 25 Grad, die sich aufgrund der absoluten Windstille jedoch wie 40 Grad angefuehlt haben. Ich sehe aus wie eine Zuckerstange, nicht suess, sondern rot und weiss gestreift … Meine Haende sehen auf gut Deutsch aus „wie Sau“, denn auf die Wengerarbeit in Niagara folgt nur Gartenarbeit. Disteln, Dornen, widerspenstige Hecken, … Ich habe Muskelkater vom Berg hoch und runter laufen, Heuballen stemmen, Futter schleppen und auf dem Unkraut herum hacken. Doch hey – andere zahlen fuers Solarium und Fitnessstudio. Ich krieg das alles hier umsonst + super gutes und auch noch gesundes Essen, umgeben von Menschen, die nicht nur mega interessant sondern auch tierisch nett sind. Paul Senior ist ein hervorragender Koch und sieht es als Herrausforderung an den Vegetarier am Tisch nicht zu langweilen. Curry mir braunem Reis, Tofu mit Saisongemuese, Vegetarische Pasta, … Am Dienstag wurde ich von Linda ins Kino eingeladen und weil ich so schufte spendiert mir Family Proudfoot am Sonntag oder Montag auch noch einen Tag im Skandinavischen Spa :O))))))))))))))
http://www.scandinave.com/en/bluemountain/

Jetzt – Freitagabend kurz vor neun, nach getaner Arbeit und einem von Paul Senior extra fuer mich zubereiteten Veggie-Burger – sitze ich draussen auf der Veranda, ein „Labatt Blue“ Pils in der Hand, „Mack“ liegt auf meinen Fuessen und ich hoere den Froeschen beim Quaken sowie den Voegeln beim Zwitschern zu. Und die hoeren erst auf zu quaken wenn die Woelfe anfangen zu heulen … und sobald das Rudel anfaengt hat man am ganzen Koerper Gaensehaut.

Was will man mehr?



Hello Pretty River Valley

26 04 2010

Gestern Abend, kurz nach sechs, bin ich beladen wie ein Packesel mit dem Greyhoundbus in Collingwood angekommen. Dort wurde ich von Paul (Sohn von Linda) und Jakob (Wwofer aus Deutschland) in Empfang genommen. Das „Pretty River Valley Inn“ gehoert Linda und Paul Senior Proudfoot, es liegt circa 15 Minuten ausserhalb, mitten im wunderschoenen Nirgendwo. Linda mag man nach spaetestens einer Minute und Pretty River liebt man von der ersten Sekunde an. Nach dem Essen konnte ich nur noch einen kurzen Blick auf die Rentiere werfen, da es bereits dunkel wurde. Was ich fuer Hundegeheul vieler Hunde hielt stellte sich als Wolfsgeheul vieler Woelfe raus …

Der Tag heute fing mit einem Kaffee und French Toast an – Ye Haa! Danach ging es ans Rentiere fuettern, was mir von Libby gezeigt wurde. Rentiere sehen zwar suess aus, sind es aber nicht … um ihnen etwas zu fressen zu geben muss man sie ablenken und man darf ihnen im Gehege nie den Ruecken zudrehen. Genau genommen muss ich schnellst moeglich aus dem Gehege wenn die Tiere zur Futterstelle kommen … doch sie sehen suess aus – und ich sehe es als Herausforderung an in den naechsten drei Wochen schneller zu sein wie „Gandalf“ (das ist der mit dem groessten Geweih).

Die kniehohen Ponys … da hat Nadine mal wieder mehr die Bilder angeguckt, als die Fakten gelesen. Es gibt kniehohe Ponys, doch daneben gibt es auch noch 14 weitere Pferde von denen 2 Stueck sogar Hufe in Muelleimerdeckelgroesse haben … Kaltblueter … Ye Haa! Nadine und Pferde … und schneller zu sein wie ein Pferd? Denke ich werde mir heute Abend den Pferdefluesterer ansehen … vielleicht bringt das ja etwas ;o

Die Huehner sind easy – Tuer auf, Wasser rein, Futter rein und Eier einsammeln. Und die Hunde (2 kleine + 1 Berner Sennenhund) lieben mich und sind super freundlich ;o

Jetzt noch jede Menge Bilder fuer euch, alle heute aufgenommen, bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein …



Bye Bye Niagara on the Lake

25 04 2010

Samstag – der letzte Tag im Wengert :o) Nach der Arbeit haben Mandy und Chris zum Lunch super leckere Sandwiches spendiert. Mandy hatte Indianische Tarotkarten dabei und ich habe die Antilope gezogen, alles was in ihrem Buch zur Antilope stand passte zu mir und es scheint als waere ich auf dem genau richtigen Weg! „The power is yours“ – was will man mehr?

Zum Abschied wurde ich an meinem letzten Abend von den Oppenlaenders in die „Old Winery“ zum Abendessen eingalden. Leckeres Bier, dann leckere Pizza und leckerer Wein :o) Danach ging es auf eine Party, die ich so bisher nur in Filmen gesehen habe. Maenner mit Voll oder Dreitagebart im Blaumann oder im Holzfaellerhemd, Frauen in Eishockey Trikots, ueberall Pickups, ein gigantisch grosses Lagerfeuer, noch mehr Bier und noch mehr Wein. Ich gebe zu, dass ich mich schon gegen 23 Uhr konzentrieren musste um gerade zu stehen. Es war ein wunderschoener Abend und es war richtig schade, dass ich meine Kamera nicht mitgenommen hatte.
Sonntagmorgen wurde ich mit Brezeln verwoehnt 😮 Dann habe ich zwei Stunden lang meinen Rucksack gepackt – mittlerweile habe ich 3 Taschen, grosser Rucksack, kleiner Rucksack und Kameratasche, die ploetzlich nicht mehr in meinen kleinen Rucksack passt. Ich habe mich von den Oppenlaenders verabschiedet und Matthias hat mich zum Busbahnhof gefahren. Und wer wartete da schon um auf Wiedersehen zu sagen? Mandy und Chris … Ich habe mich natuerlich riesig gefreut. Erst im Bus Richtung Collingwood wurde mir bewusst, wie oft ich in den kommenden 11 Monaten vermutlich noch „Goodbye“ sagen muss. Doch gerade wenn einem dies nicht leicht faellt, dann weiss man, dass man Menschen kennen gelernt hat die etwas Besonderes sind. Ich kann garnicht sagen, wie froh ich bin Manfred Rehn auf dem Recyclinghof getroffen zu haben … Denn ohne ihn und Thomas waere ich nie in Niagara on the Lake gelandet, wo ich unglaublich viel Spass gehabt habe! Die Gastfreundlichkeit ist unbeschreiblich, die Arbeit im „Wengert“ habe ich richtig genossen und jede Sekunde war einfach traumhaft :o)



Hells Kitchen

22 04 2010

Dinnertime :o) Chris, Mandys Freund,  hatte ich an dem Sonntag an dem ich mit Mandy unterwegs war schon kurz getroffen, allerdings war es ein NASCAR Renntag und er war ziemlich betrunken :o) Mandy hat mich vorgewarnt, dass Chris gerne Spaesse auf Kosten anderer macht, also dachte ich: Ich komme ihm einfach zuvor. Er war bei der Navy und schon ein paarmal in Deutschland. Er selbst hat mir in betrunkenem Zustand erzaehlt, dass er eine Nacht im Gefaengnis verbracht hat, weil er in Kiel (betrunken) die Deutschland Fahne vom Rathaus geklaut hat.  Also kam ich, als Zeichen des Friedens, mit deutschem Bier und einer kleinen Deutschlandflagge fuer den Kuehlschrank :o)

Mich erwartete ein 3 Gaenge Menue, mit selbstgemachter Salsa als Vorspeise. Chris hielt mir Nachos zum Dippen hin. Ich fragte ihn vollkommen ernst: „Sind die Tomaten auch koscher?“ Seine Augen wurden gross, er schielte zu Mandy, so auf die Art: „Du hast nur Vegetarier gesagt, nichts von koscher …“ Also setzte ich noch einen drauf: „Ich dachte du warst schon ein paarmal in Deutschland, dann muesstest du doch eigentlich wissen, dass Deutsche nur koscheres Essen essen …“   Chris faengt an zu schwitzen, nervoes zu werden, in der Kueche herum zu fuchteln. „Es sind Bio Tomaten“, stellt er hoffnugsvoll fest und wirf einen Blick auf das ganze Essen, das er zwei Tage lang vorbereitet hat. „Aber Bio ist nicht das selbe wie koscher“, klaere ich ihn mit noch immer vollkommen ernstem Gesicht auf. Mandy steht laengst in der Ecke um vor sich hin zu lachen, Mitbewohner Ruty grinst auch schon vor sich hin. Schliesslich muss auch ich lachen. „Ich verarsch dich nur, Chris …“ Daraufhin er: „Oooh … you fucking smart ass …“ Wir essen also Salsa und Chris kocht weiter – offene Kueche, er flucht vor sich hin und jedes dritte Wort beginnt mit „F“. Ich fange an ihn Gordon Ramsey zu nennen, daraufhin beginnt jedes zweite Wort mit „F“, was den durch die offene Kueche erzeugten „Hells Kitchen“-Effekt nur noch mehr verstaerkt.

Hells Kitchen

Hells Kitchen

Zwischendruch sitzen wir auf der Veranda und trinken ein Bier. Darauf folgt die Hauptspeise: Pasta mit selbstgemachter Tomaten/Paprika/Kaese Sosse und gegrillten Zucchini, Artischokken und Auberginen. Die beste selbstgemachte Pasta die ich je gegessen habe, dazu unglaubliches Kaese/Knoblauch Baguette, auch selbst gemacht. Chris stellt eine Rolle Klopapier auf den Tisch: „Ich habe leider vergessen Servietten zu kaufen.“ 😮 Sie fragen mich wo ich als naechsate hingehe und Chris verarscht mich, indem er mir erzaehlt in diesem Gebiet liegt noch Schnee. Nach dem Hauptgang fragt er mich: „Hast du eine Jacke dabei?“ Ich nicke. „Sonnenbrille?“ Ich nicke erneut. Zwei Minuten spaeter habe ich meine Jacke an, meine Sonnenbrille und einen Helm auf, und stehe in der Hofeinfahrt vor einer ohrenbetaeubend lauten Harley Davidson. Als ich aufsteige nehme ich mir vor nicht zu schreien, nur 10 Sekunden spaeter schreie ich mir die Seele aus dem Leib. Aus meinem entspannten festhalten wird ein panisches Klammern, ich frage mich wirklich ob ich gerade dabei bin Chris ein paar Rippen zu brechen und wie lange es wohl dauert bis ich einfach hinten von der Maschine falle. Fuer jedes Auto vor uns bin ich dankbar, da es Chris bremst. Jedes mal wenn er freie Fahrt hat und Gas gibt spuere ich wie sich meine Fingernaegel in seine Lederjacke bohren. Und Chris? Der lacht sich tot, faehrt in atemberaubenden Tempo Schlangenlinien und zahlt mir die „koscheren Tomaten“ doppelt und dreifach heim. Was mir erst erzaehlt wird als wir zurueck kommen: Chris war einst Strassenmaschinen Rennprofi und man nannte ihn „Chrash“.

Payback time

Payback time

Meine Knie fuehlen sich noch immer weich an, nachdem ich schon 10 Minuten auf festem Boden stehe. Dann hoere ich das Blubbern und der Camaro kommt. Doug, der eine Strasse weiter wohnt, faehrt mich spazieren, ich sitze im Original 70’er Camaro und grinse vor mich hin. Als wir wieder am Haus ankommen frage ich Doug, ob es ok ist wenn ich einfach im Auto bleibe, ab und zu etwas Wasser und Brot und ich bin gluecklich, er wird nicht einmal merken, dass ich da bin. Er lacht, zumindest bis er feststellt, dass ich tatsaechlich nicht aussteigen will.

Camaro

Camaro

Es ist Chris selbstgemachtes Dessert das mich schliesslich aus dem Auto lockt. Selbstgemachte Wafflen mit Vanilleeis, Schlagsahne und Erdbeeren.

Best waffles!

Best waffles!

Danach bin ich im wahrsten Sinne des Wortes „vollgefressen“ und zudem vollkommen zufrieden. Der ganze Abend war eine Mischung aus Hells Kitchen und Hells Angels, es wurde jede Menge gelacht und ich kann mir jetzt ein T-Shirt drucken lassen: „I survived Chris Murray.“ (Ich habe Chris Murray ueberlebt.)

Missglueckter Selbstausloeser - Rusty, Chris, Mandy und ein Teil von mir ...

Missglueckter Selbstausloeser - Rusty, Chris, Mandy und ein Teil von mir ...